Freitag, 24. September 2010

Hallo erstmal...

Hallo,
jetzt bin ich schon fast zwei Monate in Irland und habe immer noch nichts von mir hören lassen.... deshalb hier nun der 1. ofiizielle Rundbrief als Post:


Hallo ihr Lieben =)                                                                                                                August 2010


jetzt ist es gerade mitten in der Nacht ( nach meiner Zeit etwas nach zwölf) und ich bekomme Lust, den ersten wirklichen Rundbrief an euch anzufangen.....
Ich bin jetzt seit knapp zwei Wochen in der Arche in Dublin und langsam merke ich, dass ich hier nicht nur körperlich, sondern auch geistig angekommen bin.
Endlich bin ich in dem Zimmer, in dem ich für das nächste Jahr bleiben werde und konnte meine ganzen Postkarten, Poster und Bilder aufhängen. Mein Zimmer ist wirklich superschön und gerade von zwei Freiwilligen sonnengelb gestrichen worden, so dass man gar nicht merkt, wenn das Wetter mal wieder typisch irisch ist =). Gerade heute ist der Himmel wieder komplett verhangen, dabei hätte ich so gerne nach August-Sternschnuppen geschaut... ;-)

In meinem Projekt geht es mir, auch wenn hier gerade alles etwas chaotisch ist, sehr gut. Wie ihr ja schon wisst, ist die Arche eine Gemeinschaft von geistigbehinderten und mehr oder weniger „normalen“ Menschen, die zusammen leben. Die Arche in Dublin ist, mit nur drei Haüsern, die kleinste Arche in Irland. Außer in Dublin gibt es noch Archen in Kilkenny, Cork und Sligo .


Ich bin hier in Dublin hauptsächlich für eine Behinderte zuständig: A. ist 31 Jahre alt und ist nicht nur geistig, sondern auch körperlich behindert.
Sie ist ein wahrer Sonnenschein und sorgt mit ihren zahlreichen Sprüchen wie „Yum yum pigs bum“ ( was soviel heißt wie: lecker, lecker Schweine-Po) oder „ an old Lady swallowed...“
( hier fügt sie am liebsten „bathroom“, „nickers“ oder auch „my backside“ ein, was dann soviel heißt wie: „ eine alte Frau schluckte... das Bad...meine Unterwäsche....meinen Rücken“) immer wieder für viel Heiterkeit .
Zudem ist A. sehr freigiebig was Umarmungen betrifft, die sie immer mit der Frage „ you want a hug ?“ einleitet und hat die meisten Menschen lieb ( „... I love You (sooo much)!!! „).
Aber A. kann auch ganz schön anstrengend sein, da sie eigentlich IMMER im Mittelpunkt stehen will und wenn sie nicht beachtet wird auch auf ihr immenses Schauspieltalent zurückgreift... ;-) Eine andere Sache, die man über A. wissen kann ist, dass sie immer eine ganze Menge boyfriends hat, die mindestens einmal täglich wechseln und recht willkürlich festgelegt werden. So kommt es durchaus vor, dass sie am Frühstückstisch einfach einem der männlichen Assistenten verkündet, das er heute ihr boyfriend ist =) .

Meine Verantwortlichkeit für sie schließt sowohl die komplette Hygiene ( Zähneputzen, Baden, auf Toilette helfen...) wie auch z.B. die Freizeitplanung und die Kalkulation ihres Geldes ein. Außerdem muss ich dafür sorgen, dass sie ihre Medikamente zur richtigen Zeit bekommt und muss täglich eine Art Fragebogen über ihren physischen und psychischen Zustand ausfüllen.

Ein normaler Tag in der Arche sieht also in etwa so aus:
7.30 Uhr aufstehen
8.00 A. wecken
8.00-8.45 Frühstück zusammen mit A.
8.45-9.15 A. baden =)
9.15-9.55 mit A. ums Zähneputzen und Haarekämmen/-föhnen ( was sie nicht mag)
streiten und sie sich dann selber ( meist mit bis zum Anschlag aufgedrehter
Musik) anziehen lassen
9.55-10.00 A. zur Arbeit bringen
10.00-10.30 Team-meeting
10.30-12.00 aufräumen, saubermachen und Wäsche waschen ( meine und A.s !!! )
12.00-15.00 Mittagspause-endlich =)
15.00-18.00 A. und die anderen core-member beschäftigen
18.00 Abendbrot mit dem ganzen Haus ( alle core-member und Assistenten)


    1. Tea-time und Abendgebet
ca. 21.00 A. ( wieder mit Zähneputzen etc.) ins Bett bringen

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in der Mittagspause öfter etwas zu unternehmen oder wenigstens joggen zu gehen, aber meistens bin ich viel zu müde, so das ich wirklich eine Pause brauche und wie die meisten anderen Assistenten zumindest einen Teil der Zeit zum Schlafen nutze... =)
Zum Glück habe ich wenigstens einen Abend und einen Tag in der Woche frei, an denen ich etwas unternehmen kann, so war ich z.B. schon einmal Ultimate Frisbee spielen ( was ich ja zu Hause auch schon gemacht habe) und war im Stadtzentrum ( in Dublin kann man wirklich gut einkaufen gehen... ;-) ) und außerdem in den Pubs bei uns auf der Straße.

Da wir gerade ziemlich viele Deutsche hier sind ( vier Freiwillige und ein Praktikant) können wir immer wieder die Eigenheiten der Iren mit dem vergleichen, was wir von zu Hause gewohnt sind und uns darüber austauschen. So ist zum Beispiel die Kleidung der Leute hier anders: entweder sie laufen total gammelig in Jogginghose und Schlabber-T-shirt herum, oder sie sind ( auch schon als 12-jährige) total aufgeputzt. Überhaupt trägt zur Zeit kaum jemand Jeans, da entweder Leggins oder extrem kurze Hosen und Röcke bzw. Jogginghosen getragen werden.
Auch bei den Back- und Kochzutaten gibt es Unterschiede, so gibt es hier überhaupt keinen Quark und auch Vanillezucker ist unbekannt ( ich habe versucht einen Kuchen zu backen... ;-) ).
Insgesamt sind die Iren, die ich bis jetzt getroffen habe aber alle sehr aufgeschlossen und freundlich, so begleitet zum Beispiel der Vater von A. mich und ein paar andere Freiwillige am Sonntag auf einen Cliff-walk ( Klippenspaziergang) in der Nähe, obwohl A. nicht mitkommen kann.

Ihr seht also: es geht mir gut hier =)

Ich freue mich etwas von euch zu hören!!!

ganz viele liebe Grüße aus Dublin




P.s. Ich muss die Namen von allen core-membern im Internet verändern..... ich habe es mir eionfach gemacht und einfach einen Buchstaben genommen, weil mir kein Name einfiel, der so gut passt, wie ihr eigener =D




Kommentare:

  1. Schön zu hören, dass es dir gut geht. und natürlich: ERSTER!! Ätschbätsch!
    werde jetzt wohl mal öfter hier reinschauen ;) Viel Grüße aus Hamburg von Caro & Stefan

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  2. Hey Du. Wie schön, dass es dir gut geht und du spaß hast. Ich muss schon zugeben, dass ich ein bisschen neidisch bin. Aber ab oktober hab ich ja auch wieder was zu tun.
    Hier in Berlin kehrt gerade ein milder spätsommer ein - sehr angenehm.
    Pass auf dich auf und genieß dein Wochenende.
    M.-E.

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